Schlagwort: Hochseeschutzabkommen

Meeresschutz und Mikroplastik

Wir tun uns schwer mit Unsicherheit und Ungewissheit. Entsprechend verstehen wir auch wissenschaftliche Ergebnisse immer wieder fälschlich als „Endergebnisse“, als finale Erkenntnisse. Aber Wissenschaft ist ein Prozess, der sich gerade durch seine Revidierbarkeit auszeichnet.

Das zeigen auch neue Erkenntnisse über die Erwärmung der Polarregionen. Wie ein Papier aus dem Zentrum für Marine Umweltwissenschaften in Bremen MARUM jetzt nachweist, könnten die höheren Breiten weniger anfällig sein für Erwärmung als bisher gedacht.

Bisher dachte man, dass sich die Temperaturen an den Polen und in den Tropen immer mehr angleichen, je mehr Treibhausgase in der Luft sind und sich der Planet zunehmend erwärmt. Deshalb verglichen die Forschenden die Jetztzeit mit einer Phase ähnlich hoher CO2-Belastung, dem Miozän vor etwa 15 Millionen Jahren. Aus Analysen von abgestorbenen Mikroorganismen lässt sich die damalige Meerestemperatur eruieren. Demnach war sie in den hohen Breiten um 9 Grad kälter als bisher angenommen. Das könnte bedeuten, dass wir auch jetzt – trotz schmelzender Eismassen an den Polen – nicht auf ein heißes Nord- oder Südmeer zusteuern.

Ein durchaus positiver Befund. Er zeigt, wie resilient unser Planet ist. Er zeigt aber nicht, dass diese Resilienz unendlich ausdehnbar ist.

https://communities.springernature.com/posts/could-our-oceans-escape-from-becoming-a-warm-soup-rethinking-the-miocene-with-coccolith-clumped-isotopes

PS Wissenschaftlich noch nicht geklärt ist etwa die Frage, bei welchen Temperaturen die Atlantische Umwälzströmung kippt oder wo die kritische Schwelle für den Amazonas-Regenwald liegt. Sicher ist nur, dass diese sogenannten Kipppunkte existieren. Ähnliches gilt für die Frage, wie sich globale Erwärmungstrends lokal abbilden. So erlebt Mitteleuropa zunehmend Starkregen, während der Mittelmeerraum mit Dürren zu kämpfen hat. Und auch wie stark sich Aerosole auf die Erderwärmung auswirken, ist längst nicht geklärt. Werden die feinen Partikel durch eine reduzierte Luftverschmutzung weniger, bilden sich weniger Wolken. Das wiederum könnte zu einer beschleunigten Erderwärmung führen, so die momentane Hypothese.

UNO-Hochseeschutzabkommen

Schutzzonen auch außerhalb nationaler Gewässer

Im Jänner wurde das erste völkerrechtliche Rahmen für Meeresschutz auf hoher See und damit außerhalb der nationalen 200 Meilen-Grenze beschlossen. Das ist umso wichtiger, als die Ozeane riesige mengen an CO2 binden und das Klima stabilisieren. Bis 2030 soll nun 30 Prozent der Hochsee unter Schutz gestellt werden. Menschliche Aktivitäten im Meer, etwa der Tiefseeabbau von Rohstoffen, können künftig einer Umweltverträglichkeitsprüfung unterzogen und auch verboten werden. Für entsprechende Beschlüsse genügt eine Dreiviertelmehrheit der teilnehmenden Staaten, so kann kein einzelner Staat durch ein Veto Entscheidungen blockieren.

Bisher war das offene Meer, das größte Ökosystem des Planeten, ein weitgehend rechtsfreier Raum und entsprechend ungeschützt.

https://science.orf.at/stories/3233721

Weniger Mikroplastik in der Atmosphäre als gedacht

Land ist Hauptemittent

Mikroplastik beeinflusst die Wolkenbildung. Und die kleinen Partikel können uns auch krank machen, da wir sie über Luft und Nahrung aufnehmen. Ihre Konzentratin in der Atmosphäre ist allerdings weitaus geringer als bisher gedacht. Das zeigt eine in Nature erschienene Studie unter Mitwirkung von  Andreas Stohl vom Institut für Meteorologie und Geophysik der Universität Wien. Demnach gelangen 100- bis 10.000mal weniger Plastikpartikel in die Luft als zuvor angenommen. Der Großteil davon stammt aus Emissionen vom Land. Zuvor hatte man angenommen, vor allem Meeresflächen würden Mikroplastik emittieren.

https://science.orf.at/stories/3233858

Fehlende Renaturierung könnte teuer werden

Stellungnahme der europäischen Akademien der Wissenschaften 

Das EU-Renaturierungsgesetz, das die Rückführung von 20 Prozent der Flächen in einen naturnahen Zustand vorsieht, könnte bis 2070 Kosten von rund 154 Milliarden Euro verursachen. Sollte die Renaturierung jedoch nicht im vorgesehenen Umfang passieren, könnten die Folgekosten weitaus höher liegen, und zwar bei 1.860 Milliarden Euro, so Schätzungen der EU-Kommission.

Vielfältige und funktionierende Ökosysteme schützen vor Naturkatastrophen, senken Gesundheitsausgaben und stabilisieren sowohl die Umwelt als auch die Wirtschaft, hebt der Bericht der Dachorganisation der Europäischen Akademien der Wissenschaften hervor.

Demnach könnte sich ein Euro, der in Renaturierung investiert wird, achtfach auszahlen. Die Autorinnen und Autoren des Berichts fordern die EU-Mitgliedsstaaten auf, ihre Umsetzungspläne bis Ende des Sommers vorzulegen.

https://science.orf.at/stories/3233772

Kurz gemeldet

Regelmäßige körperliche Bewegung verringert die Sterblichkeit um rund 30 Prozent, sagt die Statistik. Durch Feinstaub wird dieser Effekt allerdings gedämpft.

https://science.orf.at/stories/3233880

Bei der „Stunde der Wintervögel“ von Birdlife wurden heuer weniger Vögel gezählt als im Vorjahr. Das hängt vor allem auch mit den milderen Wintern zusammen und damit veränderten Zuggewohnheiten der Vögel. Weniger Schnee bedeutet auch, dass die Kohlmeise mehr Futter außerhalb von Siedlungen finden und deshalb seltener Gärten aufsuchen.

https://science.orf.at/stories/3233846

In der Antarktis ist das erste Schutzarchiv für Gletschereis eröffnet worden. Auch zwei Eiskerne aus den Alpen werden als eine Art Zeitkapsel in einer Höhle nahe dem Südpol konserviert.

https://science.orf.at/stories/3233761

Tipp

Wissenswertes zum Fleischfasten findet man unter www.fleischfasten.at. Diese Initiative möchte nicht nur zu einer Reduktion des klimarelevanten Fleischkonsums während der Fastenzeit anregen. Sie bietet etwa auch vegetarische Rezepte oder lädt zu einem Pubquiz rund um das Thema Ernährung (Freitag, 6. Februar 2026, 19 Uhr, Trauttmansdorffgasse 3, Graz). Auf der Seite finden sich auch Informationen zum weltweiten Fleischkonsum. So erfährt man dort etwa, dass die USA 128 Kilo pro Kopf und Jahr verzehrt, Menschen in der DR Kongo hingegen nur 3,8 Kilo.

Hörtipp

Nachhaltige Waldnutzung

Die Balance zwischen Bewirtschaftung und Erhaltung des Waldes ist schon seit langem ein großes Thema. Bis ins 19. Jahrhundert wurden die Wälder stark genutzt – und übernutzt. Erst als in der industriellen Revolution Kohle das Brennholz ersetze, erholten sich die Wälder. Die Umwelthistorikerin Simone Gingrich von der Universität für Bodenkultur Wien erforscht die Geschichte der österreichischen Wälder und ihre Rolle im Klimaschutz. Auf einem Waldspaziergang erklärt sie in den DIMENSIONEN, wie sich der Umgang mit dem Wald verändert hat und warum die Jahrhunderte ein historisches Spiegelbild der Nachhaltigkeit sind.

https://oe1.orf.at/nachhaltigleben