Schlagwort: Kreislaufwirtschaft

Weniger Schnee

In Obertauern startet heute (2. Dezember) offiziell die Schisaison, auch wenn einige Pisten bereits seit mehr als einer Woche in Betrieb sind. Der Ort in den Salzburger Bergen hat es vergleichsweise gut. Er liegt auf rund 1.660 Metern Seehöhe, die Pisten reichen bis auf 2.300 Meter hinauf.

Schigebiete in mittleren und tiefen Lagen kämpfen schon jetzt mit Schneeproblemen, die sich in Zukunft noch verstärken werden. Die Prognosen dazu liegen längst auf dem Tisch. Auf keine Jahreszeit wirkt sich die Erderhitzung so stark aus wie auf den Winter, schreibt ORF-Meteorologe Daniel Schrott in seinem orf.at-Artikel. In den Niederungen merkt man die Temperaturerhöhungen am stärksten. Laut Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik ZAMG waren die letzten zehn Winter im Tiefland über zwei Grad wärmer als im Mittel 1961 bis 1990.

Als ich im Herbst 2005 in den Wienerwald zog, erlebte ich einen Winter, in dem von November bis März Schnee lag. Kurz verfluchte ich die Entscheidung für den neuen Wohnsitz. Aber es war der letzte strenge Winter der jüngeren Geschichte, wie auch ZAMG-Daten beweisen.

Paradoxerweise trägt auch die sauberere Luft dazu bei, dass mehr Sonnenschein zur Erde kommt und sie stärker erwärmt als noch vor einem halben Jahrhundert. Selbst der Nebel wird aufgrund fehlender Schmutzteilchen in der Luft weniger. Zudem hat sich das Subtropenhoch nach Norden verschoben und die Bewölkung „weggeräumt“. Die Zahl der Eistage – das sind ganztägig Temperaturen unter null – ist im letzten halben Jahrhundert in den Landeshauptstädten um 75 Prozent gesunken.

Schnee wird so in den Niederungen zum Ausnahmefall. Zumindest in höheren Lagen können wir die Schneedecke durch unser Handeln noch beeinflussen. Ohne Treibhausgasreduktion wird die Schneedeckendauer bis zum Ende des Jahrhunderts in 1500 Meter Seehöhe um mehr als 50 Prozent abnehmen. Halten wir das 1,5 Grad-Ziel ein, sind die Auswirkungen weitaus geringer.

Wie das gehen könnte und was hinter der Psychologie der Klimakrise steckt: Dazu finden Sie in diesem Newsletter auch drei Buchtipps, die die Linzer Buchhändlerin Claudia Settele für uns zusammengestellt hat. Vielen Dank dafür!

https://orf.at/stories/3294980/

EU-Lieferkettengesetz

Österreich stimmt nicht mit

Für ein Lieferkettengesetz hat sich in dieser Woche – ohne die Stimme Österreichs, vertreten durch Minister Martin Kocher – der EU-Wettbewerbsfähigkeitsrat ausgesprochen. Es soll garantieren, dass Zulieferer nicht gegen Umwelt- und Klimastandards sowie gegen Menschenrechte verstoßen.

Details des Gesetzes müssen noch verhandelt werden. Die Kommission schlägt unter anderem vor, dass das Gesetz für Firmen mit mehr als 500 Beschäftigten und mindestens 150 Millionen Euro Jahresumsatz gelten soll, bei Unternehmen im Bekleidungs-, Schuh- und

Lebensmittelsektor schon ab einer Größe von 250 Mitarbeiter:innen.

https://www.orf.at/#/stories/3296071/

EU-Regeln für Plastikverpackungen

Mehr Kreislaufwirtschaft

In dieser Woche hat die EU auch vorgeschlagen, die Verpackungsrichtlinie zu überarbeiten. Demnach soll bis 2040 um 15 Prozent weniger Verpackungsmüll anfallen als 2018. Zum Beispiel will die Kommission unnötige Einwegverpackungen verbieten und verbindliche Quoten für die Wiederverwendung festlegen. Es soll aber auch mehr recycelt werden: Bis 2030 müssen laut Vorschlag alle Verpackungen recyclingfähig sein und zwischen 10 und 35 Prozent recyceltes Material enthalten. Einheitliche Etiketten sollen außerdem zeigen, in welcher Mülltonne die Verpackung zu entsorgen ist.

Kurz gemeldet

Österreichs Fichtenwälder sind im Klimastress. Mehr noch als der direkte Temperaturanstieg setzen ihnen die damit verbundenen Extremwetter zu, wie Stürme und Trockenheit.

Wald im Klimastress – ORF Topos

Die Buchhändlerin Claudia Settele (Thalia, Linz-Landstraße) mit ganz persönlichen Tipps für „Klima-Bücher“:

Isabella Uhl-Hädicke: Warum machen wir es nicht einfach? Die Psychologie der Klimakrise. Molden.

Seit vielen Jahren wird die Klimakrise von anderen Krisen überlagert, wie zuletzt von der Corona-Pandemie und ganz aktuell vom Ukraine-Krieg, der zufällig am Erscheinungstag dieses Buches begann. Doch wird Klimaschutz nicht bald ernster genommen, könnte die Klimakrise selbst in Zukunft Auslöser für Kriege sein. Weniger Fleisch essen, bewusster konsumieren, mehr Öffis nutzen, Flugreisen vermeiden, Förderung erneuerbarer Energie, mehr Umweltschutzengagement usw. – eigentlich wissen wir, wie klimafreundlich geht! Aber warum machen wir es dann nicht einfach? Unser Verharren in der Bequemlichkeit und unseren Gewohnheiten ist verlockender als das Erkunden neuer Pfade. Auch die Strategie des Wachrüttelns durch Fakten steigert die Bereitschaft für einen klimafreundlichen Lebensstil zu wenig. Die Gründe dafür werden von der Umweltpsychologin Isabella Uhl-Hädicke sehr ausführlich erklärt. Sie beschreibt, dass unmittelbar nach einer Konfrontation mit einer existentiellen Bedrohung – wie die Klimakrise definitiv eine ist – Menschen in eine Art Schockstarre verfallen. Sie fühlen sich ohnmächtig und gehen in Abwehrhaltung, um das negative Gefühl zu verdrängen. Dieses Buch bietet reichlich Stoff zum Nachdenken und Debattieren, und es werden auch unterstützende Strategien zur Förderung eines „grünen“ Lebensstils aufgezeigt. Sehr informativ!

Lea Dohm, Mareike Schulze: Klimagefühle. Knaur.

Angst, Wut, Trauer, Verzweiflung, aber auch Hoffnung und Mut. Die Klimakrise verändert nicht nur unsere Umwelt, sie beeinflusst auch die Psyche. Die beiden Autorinnen (Gründerinnen von „psychologists for future“), aber auch viele direkt Betroffene und klimaengagierte Prominente berichten anhand eigener Erfahrungen, wie es ist, mit starken Klimagefühlen umzugehen. Sie machen Hoffnung, dass positive Veränderung möglich ist und Menschen mit ihren Ängsten, Ärger oder Solastalgie – dem Schmerz um den klimabedingten Verlust bzw. Zerstörung der eigenen Heimat – nicht alleine sind. Wer sich zutraut, sich mit der Klimakrise wirklich auseinanderzusetzen, bei der (dem) werden sich die Gefühle überwiegend zum Guten entwickeln. Bestenfalls ergibt sich daraus ein Handeln, das stärker im Einklang mit den eigenen Werten und Grundbedürfnissen ist. Wir alle sind gefordert! Mir persönlich hat das Buch sehr geholfen mit meinen Gefühlen bzgl. der Klimakrise und ihren möglichen Folgen umzugehen. Leicht lesbar, realistisch, ermutigend – große Empfehlung!

Earth For All. Ein Survivalguide für unseren Planeten. Oekom.

Wie kann die überaus wichtige und dringende Transformation unserer (Um)Welt gelingen? –

„Business as usual“ ist keine Option mehr, denn wir befinden uns auf einem katastrophalen Kurs in punkto Klimakrise und ihre Folgen. Der einzige Weg in eine weiterhin lebenswerte Zukunft sind umgehende, entschlossene und v. a. mutige weltweite Regierungsmaßnahmen – für uns Menschen und für unseren Planeten. Wie das funktionieren könnte, wird in diesem wissenschaftlich fundierten, neuen Bericht des Club of Rome mit seinen klaren Botschaften und Lösungsansätzen sehr anschaulich beschrieben. Eine Pflichtlektüre, ganz besonders für alle Regierungs- und Wirtschaftsverantwortlichen!!!

Ökologische Altbausanierung in der Stadt

Hörtipp

Vor allem Altbauten sind bei der Umrüstung von fossilen Energieträgern wie Gas und Heizöl auf nachhaltige Energien eine Herausforderung. Aber auch in Städten wie Wien, wo noch immer 440.000 Gasthermen in Betrieb sind, ist ein Heizen ganz ohne Öl und Gas möglich. Das zeigt die Sendung DIMENSIONEN. Gerhard Bayer von der Österreichischen Gesellschaft für Umwelt und Technik schlägt etwa vor, die in der Stadt enthaltene natürliche Wärme „aufzusammeln“. Mittels Solarkollektoren und Abwärmenutzung lassen sich die emissionslosen Wärmequellen anzapfen. Die gewonnene Wärme könnte über Erdsonden im Boden gespeichert werden. Ein Pilotversuch im Wiener Bezirk Hernals liefert erste Erfahrungen.

Neue Wärme in alten Mauern | DI | 29 11 2022 | 19:05 – oe1.ORF.at

Energiewende: Die Stadt als Heizkörper – science.ORF.at

Schein-Klimaschutz, planetare Grenzen und schnelle Mode

Textilien werden im Schnitt weit unter zehnmal getragen. Das sagt der Vorstand des Instituts für Nachhaltigkeitsmanagement an der TU Wien, Andre Martinuzzi. Da ich Modehäuser als die weltliche Version der Vorhölle empfinde, machen mich derlei Statistiken nachgerade fassungslos. Eines meiner ältesten T-Shirts habe ich 2012 in Panama gekauft, und es dürfte qualitativ tatsächlich top sein, da es die Peinlichkeitsschwelle noch immer deutlich unterschreitet.

In PUNKT EINS war diese Woche zu hören, dass Online-Versandhäuser textile Retouren vernichten, weil dies billiger kommt, als die Kleidung auf Lager zu legen. Und gekauft wird auf Anschlag. „Österreicher:innen kaufen derzeit durchschnittlich 60 Kleidungsstücke pro Jahr, und gleichzeitig hat sich die Dauer, die die Kleidung getragen wird, ganz stark verkürzt. Gut 20 Prozent der Kleidung wird gar nie und bis zu 40 Prozent der Kleidung sehr selten getragen“, meinte die Umweltsoziologin Mirjam Mock in der Sendung.

Fast Fashion ist zu einem veritablen Umwelt- und Klimaproblem geworden. Manche Modelabels bringen im Wochenabstand neue Kollektionen heraus, zu Preisen, die die planetaren Kosten überhaupt nicht abbilden. Schätzungen gehen davon aus, dass ein Drittel aller produzierten Textilien überhaupt nie auf den Markt kommt, sondern ungetragen verbrannt oder anders vernichtet wird.

Die Produktion von einem Kilogramm Baumwolle benötigt drei Kilogramm Chemikalien. Weltweit verschlingt die Textilproduktion vier Prozent des Wasserbedarfs oder 100 Milliarden Kubikmeter jährlich. Mit Stand 2019 emittierte die Textilindustrie jährlich 1,2 Milliarden Tonnen CO2, mehr als die gesamte Luftfahrt (0,9 Mrd. Tonnen). Insgesamt ist die Modebranche mit 8 Prozent am Treibhausgasausstoß beteiligt.  

Und dabei sprechen wir noch gar nicht von den unmittelbaren menschlichen Kosten durch die miserablen Arbeitsbedingungen und die Ausbeutung der Textilarbeiter:innen in Billiglohnländern. Menschliches Leid und ökologische Zerstörung gehen wie so oft Hand in Hand. Durch das Missverstehen von Kleidung als Wegwerfprodukt, machen sich auch die Konsument:innen mitschuldig.

Um Mode nachhaltiger zu machen, hat die EU Ende März eine „Initiative für nachhaltige Produkte“ gestartet, die die desaströse Fast Fashion bis 2030 verschwinden lassen soll. Mehr dazu im ersten Beitrag dieses Newsletters.

https://oe1.orf.at/player/20220427/676131

Aus für Fast Fashion

EU-Initiative

Um mehr Bewusstsein für die verheerenden Folgen von Billigmode zu schaffen, will die EU Textilien u.a. mit verpflichtenden Angaben zur Halt- und Wiederverwertbarkeit versehen, ebenso über die Nachhaltigkeit der Produktion. Die Initiative ist Teil der Kommissions-Pläne für eine Kreislaufwirtschaft, die nicht ständig neue Rohstoffe anzapfen und verschlingen muss. Durch Recycling und Reparierbarkeit soll der Ressourcenverbrauch von Textilien drastisch gesenkt werden. Jeder Europäer verbraucht allein über die Textilien, die er durchschnittlich pro Jahr kauft, 9.000 Liter Wasser.

Neue EU-Strategie: Der Anfang vom Ende für „Fast Fashion“ – news.ORF.at

Sechste Planetare Grenze überschritten

Süßwasser

Von den borealen Wäldern bis zu den Tropfen, auf Ackerflächen wie in Wäldern, verändert sich die Bodenfeuchtigkeit. Sie werden zunehmend extrem feucht oder extrem trocken. Dies bringt zum Beispiel den Amazonas-Regenwald nahe an einen Kipppunkt. Das Stockholm Resilience Center und das Potsdamer PIK schätzen die Veränderung des Süßwasserhaushalts als dermaßen gravierend ein, dass sie damit eine planetare Grenze überschritten sehen, weil damit die lebenserhaltenden Systeme der Erde bedroht sind. Hauptautorin Lan Wang-Erlandsson bezeichnet Wasser als den „Blutkreislauf der Biosphäre.“

Wasser ist einer der neun Regulatoren für den Zustand des Erdsystems und die sechste Grenze, deren Überschreitung Forschende festgestellt haben. Andere überschrittene Grenzen sind: Klimawandel, Integrität der Biosphäre, biogeochemische Kreisläufe, Veränderung des Landsystems und, im Jahr 2022, neuartige Stoffe, zu denen Plastik und andere vom Menschen hergestellte Chemikalien gehören, wie das Potsdam Institut für Klimafolgenforschung in einer Aussendung schreibt.

Update planetare Grenzen: Grenze für Süsswasser überschritten — Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (pik-potsdam.de)

Wort der Woche

„Schein-Klimaschutz“

„Wir sind nach wie vor katastrophal in die falsche Richtung unterwegs.“ Das meinte diese Woche Reinhard Steurer, Professor für Klimapolitik an der BOKU. Im Klimaschutz würden in der österreichischen Politik Etikettenschwindel, Schönreden und (Selbst-)Täuschung regieren.

„Wir wählen regelmäßig Scheinklimaschutz“, so der Politologe, „im Supermarkt wie bei politischen Wahlen.“ Auch der von Österreich für 2040 versprochenen Klimaneutralität räumten die Expert:innen angesichts der gegenwärtig umgesetzten Maßnahmen nur geringe Chancen auf Realisierung ein. Verbrauchsreduktion und Energiesparen müssten ebenso zu einem Thema werden wie ein Umdenken beim größten Sorgenkind der Klimapolitik, der Mobilität.

„Scheinklimaschutz“ statt echter Maßnahmen – science.ORF.at

50 Grad in Indien

Rekord der Woche

Der März war der zweitheißeste des Subkontinents seit 120 Jahren, ähnliches gilt für April. Die begleitende Trockenheit lieferte auch nur ein Drittel bis ein Viertel der üblichen Regenmengen. Durch die Hitzewelle schrumpft Indiens Weizenproduktion. Sollte sich Indien nicht mehr selbst mit Getreide versorgen können, würde dies zusätzlich zur Weizen-Knappheit durch den Ukraine-Krieg Druck auf den Weltmarkt ausüben.

Der Deutsche Wetterdienst beschreibt Indien als einen der Hotspots des globalen Klimawandels. Als Folge der Erderhitzung nimmt die Zahl von Extremwetter-Ereignissen seit Jahren zu. In den 1980er Jahren gab es in Indien im Schnitt 41 Tage pro Jahr mit Temperaturen über 40 Grad, in den 2010er Jahren waren es bereits 60. In den nächsten Tagen könnte die Hitze in manchen Teilen Indiens und Pakistans die 50 Grad-Grenze überschreiten.

https://orf.at/stories/3262076/

Tipp

„Was müssen wir heute tun, um morgen in einer klimagesunden Zukunft zu leben?“ Mit dieser Frage hat sich der aus rund 100 Bürger:innen bestehende österreichische Klimarat in bislang vier Zusammentreffen beschäftigt. Nun fragt der Klimarat die Menschen in Österreich um ihre Meinung zu den Themen Ernährung und Landnutzung, Mobilität, Wohnen, Produktion und Konsum sowie Energie. Seit dem 27. April kann man sich über klimarat.org an der Diskussion beteiligen bzw. über vorgeschlagene Maßnahmen abstimmen.

Der Klimarat

Schwarze Bänder mit Reise-Geschichte

Hörtipp

Straßen sind Bodenfresser und, wenn befahren, meist indirekt auch Dreckschleudern.Manchmal tituliert man sie euphemistisch einfach um, wenn aus einer Autobahn eine Stadtstraße wird.Andererseits können sie selber eine Attraktion sein.AMBIENTEporträtiert die Westautobahn, die Großglockner Hochalpenstraße und die Salzburger Getreidegasse.

https://oe1.orf.at/player/20220424/675957