Schlagwort: Ozean

Pflanzenwanderung

1.600 eingewanderte Pflanzenarten gibt es bereits in Österreich. Über viele von ihnen freuen wir uns, weil sie unsere Gärten, Balkone und Blumentöpfe mit exotischen Blüten schmücken. Bei Pflanzen wie dem Schmetterlingsstrauch, dem Sommerflieder, ist das nicht ganz unproblematisch. Er zieht zwar Falter an, bietet den Raupen aber keine Nahrung und verdrängt vor allem andere Pflanzen schnell. Die Schweiz hat den Verkauf des Sommerflieders deshalb bereits verboten. Der Naturschutz hat eben den Kirschlorbeer zum „Neophyten des Jahres“ gewählt. Auch er breitet sich stark aus und verdrängt heimische Arten.

Sommerflieder und Kirschlorbeer sind allerdings nur Vorboten einer Entwicklung, die uns noch viel mehr invasive Arten bringen wird. Wie eine Studie unter Beteiligung des österreichischen Biodiversitätsforschers Franz Essl zeigt, werden immer mehr subtropische Arten nach Europa einwandern. Dazu hat das Wissenschaftsteam weltweit 10.000 „gebietsfremde“ Pflanzen kartiert. Deren Verbreitungsgebiet wird zwar nicht in Summe zunehmen, sich aber aufgrund der klimatischen Bedingungen verlagern, eben Richtung Europa.

Nicht alle neuen Arten werden problematisch sein, aber ein Teil wird so wie das allergene Ragweed unsere Gesundheit beeinflussen oder der Landwirtschaft schaden. „Die Ausbreitung eingeschleppter Pflanzenarten führt einerseits zur Ausbreitung von Problemunkräutern in der Landwirtschaft mit massiven Ernteverlusten”, erklärt Essl in science.orf.at. Andererseits würden sich besonders widerstandsfähige Arten wie Götterbaum oder Staudenknöterich in naturnahen Lebensräumen ausbreiten und die heimische Artenvielfalt zurückdrängen.

Gerade in der Forstwirtschaft wird man sich deshalb genau ansehen müssen, welche Bäume man statt den hitzegeplagten Fichten in Zukunft aussetzt.

Nicht alle Neophyten werden zum Problem werden, so Essl. Aber für ihn ist es sinnvoll, eine klare Risikoabschätzung durchzuführen und bei bereits bekannten problematischen Arten eine Importkontrolle einzuführen.

Und wer den Luxus eines Gartens hat, kann auch darüber nachdenken, welche Pflanzen er oder sie in die halbgezähmte Natur entlässt.

https://science.orf.at/stories/3234835

Erderwärmung bedroht Kaffeeproduktion

Der Klimawandel setzt der Kaffeeproduktion stark zu. Die fünf größten Kaffeeanbaugebiete, darunter Brasilien und Äthiopien, erleben immer mehr Hitzetage über 30 Grad Celsius. Dies führt zu Ertragseinbußen und steigenden Preisen, da die Pflanzen unter Hitzestress leiden.

Brasilien, Vietnam, Kolumbien, Äthiopien und Indonesien, die fünf größten Kaffeeproduzenten, liefern zusammen 75 Prozent des weltweiten Kaffees. Wenn keine wirksamen Anpassungsmaßnahmen ergriffen werden, die vielfach an fehlender finanzieller Unterstützung der Kaffeebauern scheitern, könnten die weltweiten Anbauflächen bis 2050 um bis zu 50 Prozent schrumpfen.

https://go.climatecentral.org/coffee_and_climate

Heiße Ozeane sorgen für Hitzewellen an Land

Laut einer aktuellen Untersuchung ist, die Erwärmung von Küstengewässern ein zentraler Treiber für großflächige, schwüle Hitzewellen. Das zeigt eine Nature-Studie mit Beteiligung des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung. Die Studie führt 50–64 % des beobachteten Anstiegs von Hitzewellen weltweit auf diesen Mechanismus zurück.

Küstennahe Meeresoberflächen liefern bei höheren Temperaturen zusätzliche Feuchtigkeit, die ins Landesinnere transportiert wird und dort Hitzeextreme mit hoher Luftfeuchtigkeit verstärkt. So sorgt etwa ein erwärmter Indischer Ozean für schwüle Hitze in Südasien und dem Nahen Osten, während ein tropischer Nordatlantik Hitzewellen in Nord‑ und Südamerika verstärkt.

https://www.pik-potsdam.de/de/aktuelles/nachrichten/erwaermung-von-kuestengewaessern-treibt-grossflaechige-schwuele-hitzewellen-an

Kurz gemeldet

Der Earth Overshoot Day fiel in Österreich diesmal auf den 2. April. An diesem Tag hat das Land rechnerisch seine natürlichen Ressourcen verbraucht, die ihm für ein ganzes Jahr zur Verfügung stehen. Im Vorjahr passierte das bereits vier Tage früher, am 29. März. Weltweit liegt Österreich damit beim Ressourcenverbrauch auf Platz 16.

Das Naturnachtgebiet Eisenwurzen in Oberösterreich, Niederösterreich und der Steiermark ist von der Organisation Dark Sky International zur „Dark Sky Reserve“ ernannt worden.

Auf einer Fläche von rund 2.400 Quadratkilometern lässt sich zum Beispiel die Milchstraße unbeeinflusst von Lichtverschmutzung beobachten.

https://ooe.orf.at/stories/3346376

Die Jahre 2015 bis 2025 waren das heißeste Jahrzehnt seit dem Beginn globaler Temperaturaufzeichnungen im Jahr 1850. Das hat die Weltwetterorganisation (WMO) im Bericht „State of the Global Climate“ mitgeteilt.

https://science.orf.at/stories/3234730

Die UNO hat weitere 40 wandernde Tierarten unter Schutz gestellt, darunter den Großen Hammerhai, den Riesenotter sowie die Schneeeule. Insgesamt umfasst die Liste der sogenannten „Bonner Konvention (CMS) bereits 1.200 wandernde Arten.

https://orf.at/stories/3425339

Tipp

Orbyz: Soziales Netzwerk für Nachhaltigkeits-Themen

Orbyz.world ist ein im Jahr 2024 gegründetes, europäisches soziales Netzwerk, das sich ausschließlich den Themen Nachhaltigkeit und gesellschaftlicher Wandel widmet. Die Plattform will Privatpersonen, Unternehmen, NGOs, Wissenschaftler und Start-ups zusammenbringen, die an ökologischen, sozialen oder ökonomischen Lösungen arbeiten. Dabei verzichtet Orbyz auf werbegetriebene Algorithmen. Die Nutzenden können Expertenartikel, Publikationen und Events veröffentlichen, um ihre Projekte sichtbar zu machen und Partner zu finden, aber auch einfach nur in interessanten Beiträgen zu Zukunftsthemen schmökern.

https://orbyz.world

Hörtipp

Rettet die Nacht

Jedes Jahr wird die Nacht in Europa um rund sieben Prozent heller, so eine Studie. Die zunehmende Helligkeit bedroht nachtaktive Tiere und Insekten, Menschen kämpfen mit Schlafstörungen und ihre Fähigkeit, im Dunkeln zu sehen, lässt nach. Lichtverschmutzung hat einen ähnlich großen Effekt auf die Artenvielfalt wie Pestizide und der menschengemachte Klimawandel. MOMENT – NACHHALTIG LEBEN zeigt schnell umsetzbare Lösungen für die Lichtverschmutzung.

https://oe1.orf.at/nachhaltigleben

Meeresschutz und Mikroplastik

Wir tun uns schwer mit Unsicherheit und Ungewissheit. Entsprechend verstehen wir auch wissenschaftliche Ergebnisse immer wieder fälschlich als „Endergebnisse“, als finale Erkenntnisse. Aber Wissenschaft ist ein Prozess, der sich gerade durch seine Revidierbarkeit auszeichnet.

Das zeigen auch neue Erkenntnisse über die Erwärmung der Polarregionen. Wie ein Papier aus dem Zentrum für Marine Umweltwissenschaften in Bremen MARUM jetzt nachweist, könnten die höheren Breiten weniger anfällig sein für Erwärmung als bisher gedacht.

Bisher dachte man, dass sich die Temperaturen an den Polen und in den Tropen immer mehr angleichen, je mehr Treibhausgase in der Luft sind und sich der Planet zunehmend erwärmt. Deshalb verglichen die Forschenden die Jetztzeit mit einer Phase ähnlich hoher CO2-Belastung, dem Miozän vor etwa 15 Millionen Jahren. Aus Analysen von abgestorbenen Mikroorganismen lässt sich die damalige Meerestemperatur eruieren. Demnach war sie in den hohen Breiten um 9 Grad kälter als bisher angenommen. Das könnte bedeuten, dass wir auch jetzt – trotz schmelzender Eismassen an den Polen – nicht auf ein heißes Nord- oder Südmeer zusteuern.

Ein durchaus positiver Befund. Er zeigt, wie resilient unser Planet ist. Er zeigt aber nicht, dass diese Resilienz unendlich ausdehnbar ist.

https://communities.springernature.com/posts/could-our-oceans-escape-from-becoming-a-warm-soup-rethinking-the-miocene-with-coccolith-clumped-isotopes

PS Wissenschaftlich noch nicht geklärt ist etwa die Frage, bei welchen Temperaturen die Atlantische Umwälzströmung kippt oder wo die kritische Schwelle für den Amazonas-Regenwald liegt. Sicher ist nur, dass diese sogenannten Kipppunkte existieren. Ähnliches gilt für die Frage, wie sich globale Erwärmungstrends lokal abbilden. So erlebt Mitteleuropa zunehmend Starkregen, während der Mittelmeerraum mit Dürren zu kämpfen hat. Und auch wie stark sich Aerosole auf die Erderwärmung auswirken, ist längst nicht geklärt. Werden die feinen Partikel durch eine reduzierte Luftverschmutzung weniger, bilden sich weniger Wolken. Das wiederum könnte zu einer beschleunigten Erderwärmung führen, so die momentane Hypothese.

UNO-Hochseeschutzabkommen

Schutzzonen auch außerhalb nationaler Gewässer

Im Jänner wurde das erste völkerrechtliche Rahmen für Meeresschutz auf hoher See und damit außerhalb der nationalen 200 Meilen-Grenze beschlossen. Das ist umso wichtiger, als die Ozeane riesige mengen an CO2 binden und das Klima stabilisieren. Bis 2030 soll nun 30 Prozent der Hochsee unter Schutz gestellt werden. Menschliche Aktivitäten im Meer, etwa der Tiefseeabbau von Rohstoffen, können künftig einer Umweltverträglichkeitsprüfung unterzogen und auch verboten werden. Für entsprechende Beschlüsse genügt eine Dreiviertelmehrheit der teilnehmenden Staaten, so kann kein einzelner Staat durch ein Veto Entscheidungen blockieren.

Bisher war das offene Meer, das größte Ökosystem des Planeten, ein weitgehend rechtsfreier Raum und entsprechend ungeschützt.

https://science.orf.at/stories/3233721

Weniger Mikroplastik in der Atmosphäre als gedacht

Land ist Hauptemittent

Mikroplastik beeinflusst die Wolkenbildung. Und die kleinen Partikel können uns auch krank machen, da wir sie über Luft und Nahrung aufnehmen. Ihre Konzentratin in der Atmosphäre ist allerdings weitaus geringer als bisher gedacht. Das zeigt eine in Nature erschienene Studie unter Mitwirkung von  Andreas Stohl vom Institut für Meteorologie und Geophysik der Universität Wien. Demnach gelangen 100- bis 10.000mal weniger Plastikpartikel in die Luft als zuvor angenommen. Der Großteil davon stammt aus Emissionen vom Land. Zuvor hatte man angenommen, vor allem Meeresflächen würden Mikroplastik emittieren.

https://science.orf.at/stories/3233858

Fehlende Renaturierung könnte teuer werden

Stellungnahme der europäischen Akademien der Wissenschaften 

Das EU-Renaturierungsgesetz, das die Rückführung von 20 Prozent der Flächen in einen naturnahen Zustand vorsieht, könnte bis 2070 Kosten von rund 154 Milliarden Euro verursachen. Sollte die Renaturierung jedoch nicht im vorgesehenen Umfang passieren, könnten die Folgekosten weitaus höher liegen, und zwar bei 1.860 Milliarden Euro, so Schätzungen der EU-Kommission.

Vielfältige und funktionierende Ökosysteme schützen vor Naturkatastrophen, senken Gesundheitsausgaben und stabilisieren sowohl die Umwelt als auch die Wirtschaft, hebt der Bericht der Dachorganisation der Europäischen Akademien der Wissenschaften hervor.

Demnach könnte sich ein Euro, der in Renaturierung investiert wird, achtfach auszahlen. Die Autorinnen und Autoren des Berichts fordern die EU-Mitgliedsstaaten auf, ihre Umsetzungspläne bis Ende des Sommers vorzulegen.

https://science.orf.at/stories/3233772

Kurz gemeldet

Regelmäßige körperliche Bewegung verringert die Sterblichkeit um rund 30 Prozent, sagt die Statistik. Durch Feinstaub wird dieser Effekt allerdings gedämpft.

https://science.orf.at/stories/3233880

Bei der „Stunde der Wintervögel“ von Birdlife wurden heuer weniger Vögel gezählt als im Vorjahr. Das hängt vor allem auch mit den milderen Wintern zusammen und damit veränderten Zuggewohnheiten der Vögel. Weniger Schnee bedeutet auch, dass die Kohlmeise mehr Futter außerhalb von Siedlungen finden und deshalb seltener Gärten aufsuchen.

https://science.orf.at/stories/3233846

In der Antarktis ist das erste Schutzarchiv für Gletschereis eröffnet worden. Auch zwei Eiskerne aus den Alpen werden als eine Art Zeitkapsel in einer Höhle nahe dem Südpol konserviert.

https://science.orf.at/stories/3233761

Tipp

Wissenswertes zum Fleischfasten findet man unter www.fleischfasten.at. Diese Initiative möchte nicht nur zu einer Reduktion des klimarelevanten Fleischkonsums während der Fastenzeit anregen. Sie bietet etwa auch vegetarische Rezepte oder lädt zu einem Pubquiz rund um das Thema Ernährung (Freitag, 6. Februar 2026, 19 Uhr, Trauttmansdorffgasse 3, Graz). Auf der Seite finden sich auch Informationen zum weltweiten Fleischkonsum. So erfährt man dort etwa, dass die USA 128 Kilo pro Kopf und Jahr verzehrt, Menschen in der DR Kongo hingegen nur 3,8 Kilo.

Hörtipp

Nachhaltige Waldnutzung

Die Balance zwischen Bewirtschaftung und Erhaltung des Waldes ist schon seit langem ein großes Thema. Bis ins 19. Jahrhundert wurden die Wälder stark genutzt – und übernutzt. Erst als in der industriellen Revolution Kohle das Brennholz ersetze, erholten sich die Wälder. Die Umwelthistorikerin Simone Gingrich von der Universität für Bodenkultur Wien erforscht die Geschichte der österreichischen Wälder und ihre Rolle im Klimaschutz. Auf einem Waldspaziergang erklärt sie in den DIMENSIONEN, wie sich der Umgang mit dem Wald verändert hat und warum die Jahrhunderte ein historisches Spiegelbild der Nachhaltigkeit sind.

https://oe1.orf.at/nachhaltigleben

Raus aus der Komfortzone!

(Gemeinsam mit Juliane Nagiller)

Den Fleischkonsum um zwei Drittel senken, keine Einfamilienhäuser mehr auf der grünen Wiese bauen und ein CO2-Preis von mehr als einhundert Euro: Das sind zwar hehre klimapolitische Maßnahmen, die aber politisch nicht umsetzbar sind, denken Sie vielleicht. In gewisser Weise werden sie von den österreichischen Bürger:innen gefordert. Sie machen drei von insgesamt 93 Empfehlungen des ersten österreichischen Klimarats aus.

Sechs Monate lang haben sich einhundert zufällig ausgewählte Bürger:innen mit der Klimakrise beschäftigt. Ihr Endbericht zeigt, dass Menschen tiefgreifende Einschnitte akzeptieren, diese sogar vorschlagen und einfordern, wenn sie umfassend über die Klimaerwärmung und ihre Folgen informiert wurden. Unterstützt und beraten wurden die Bürger:innen von Wissenschaftler:innen, deren prägnante Vorträge man online nachsehen kann. Auch sie hätten viel beim und vom Klimarat gelernt, berichtet der Gletscherforscher Georg Kaser, unter anderem, wie Wissenschaft zu nachhaltigen Entscheidungen beitragen kann.

Es brauche Regeln und Rahmenbedingungen, die klimafreundliches Handeln ermöglichen, stellt der Klimarat fest. Zudem dürfe Klimaschutz weder eine individuelle Entscheidung, noch Luxus sein, weshalb die Bürger:innen bei ihren Empfehlungen auf einen Maßnahmen-Mix setzen. Sie schlagen sowohl Anreize wie klimafreundliche Infrastruktur, Schulungen oder Preissignale, als auch gesetzliche Vorgaben vor. So soll es beispielsweise mehr Bildung zu klimafreundlicher Ernährung, durchgehend breite Geh- und Radwege und eine unbürokratische Sanierungsoffensive geben, genauso wie eine verpflichtende Energieberatung für Gemeinden, ein Werbeverbot für klimaschädliche Produkte und eine Verlagerung der Raumordnungskompetenz auf Länderebene.

Es ist erstaunlich, wie schnell Menschen in einem gut aufgesetzten und begleiteten Prozess (der in dieser Form selbstverständlich auch Geld kostet) die Komplexität und Dringlichkeit der Klimakrise verstehen. Wichtig wäre nun, dass die Politik sich nicht Einzelmaßnahmen herauspickt, sondern die Arbeit der Bürger:innen wertschätzt, indem sie große Teile der Empfehlungen umsetzt. Die Bürger:innen haben ihre Komfortzone verlassen. Das sollte auch die Politik tun.

Ihre

Juliane Nagiller & Franz Zeller

PS: Die Bürger:innen des Klimarats sind übrigens wild entschlossen weiterzumachen. Sie haben einen Verein gegründet und wollen sich weiter für den Klimaschutz engagieren. Ein Umsetzungswille, den man bisweilen in der Politik vermisst.

PPS: Der Ö1 Klima-Newsletter wird im Juli und August unregelmäßig erscheinen.

Hitze vom Sonnblick bis zur Adria

Un-Wetter

Der Gipfel des 3106 Meter hohen Sonnblicks ist heuer zum ersten Mal schon Anfang Juli schneefrei. Üblicherweise lagen zu diesem Zeitpunkt noch etwa zweieinhalb Meter Schnee am Observatorium. Seit dem Messbeginn 1938 aperte der Sonnblick nie so früh aus.

Am Neusiedlersee kommt das Schneewasser vom Sonnblick jedenfalls nicht an. Dort liegt der Wasserstand nur mehr vier Zentimeter über dem historischen Tiefstand von 2003.

Und wie unser Kollege Daniel Schrott vom ORF-Wetter diese Woche auf Twitter gezeigt hat, ist auch Europas Badewanne, das Mittelmeer, bereits 4 Grad wärmer als sonst üblich. Dadurch verliert die kühlende Brise ihre Wirkung – ein Vorgeschmack auf die nächsten Dekaden, in denen uns die Lust auf einen Adria-Urlaub möglicherweise vergeht.

Aber auch für heuer sind noch höhere Temperaturen zu befürchten. „Das ganze System schaukelt sich auf. Die nächste Hitzewelle wird umso ärger ausfallen, weil ja nun auch schon das Meer so warm ist“, meint Meteorologe Schrott.

Je heißer das Mittelmeer, umso größer ist im Herbst übrigens die Wahrscheinlichkeit von Stürmen (Medicanes).

Hitzewellen über Europa haben drei- bis viermal schneller zugenommen als in den übrigen mittleren Breitengraden auf der Nordhalbkugel, etwa in den USA oder Kanada. Das belegt eine Studie des Potsdamer Instituts für Klimafolgenforschung PIK.

Rein technisch ist eine Veränderung des Jetstreams daran schuld. Immer häufiger kommt es zu „Doppel-Jets“, die viel länger andauern als früher. Dabei teilt sich der von Westen nach Osten fließende Jetstream in zwei Zweige – einen über Nord- und einen über Südeurasien. Die anhaltenden Doppel-Jets verstärken auch die Hitzewellen über Europa. “Unsere Studie zeigt, dass die zunehmende Verweildauer von Doppeljets etwa 30 Prozent der Hitzewellentrends für ganz Europa erklärt. Wenn wir jedoch nur die kleinere westeuropäische Region betrachten, erklärt sie fast 100 Prozent”, sagt Mitautor Efi Rousi.

Normalerweise kühlt das Wetter vom Atlantik den Kontinent ab. „Wenn es aber zum Doppeljet kommt, werden die Wettersysteme nach Norden abgelenkt und es können sich über Westeuropa anhaltende Hitzewellen entwickeln”, so Rousi. In anderen europäischen Regionen wie dem Mittelmeerraum und Osteuropa hängen Hitzewellen eher mit trockenen Böden zusammen.

„Grüne“ Atomkraft

Umstrittene Taxonomie

Gas und Atomkraft gelten als „grüne“ Energieformen – zumindest wenn es nach der europäischen Kommission geht. Das EU-Parlament hat den Vorschlag am Mittwoch bestätigt, Investitionen in Atomkraft und Gas werden damit als klimafreundlich eingestuft.

Die in Österreich zuständige Ministerin Leonore Gewessler hat bereits eine Klage gegen die Entscheidung angekündigt, weil sie dem „Green Deal“ nicht gerecht werde und verantwortungslos sei, und auch Greenpeace will dagegen klagen. 

https://orf.at/stories/3274762/

Auf dem Niveau von 1990

CO2-Ausstoß

Die Treibhausgasemissionen sind nach dem Ausreißer-Jahr 2020 im vergangenen Jahr erneut um 6,5% gestiegen. Das zeigen die aktuellen Berechnungen des Wegener Centers für Klima und Globalen Wandel der Universität Graz. Österreichs Ausstoß befindet sich nun wieder auf dem Niveau des Jahres 1990. Eigentlich sollte Österreich seinen CO2-Ausstoß bis 2020 im Vergleich zu 1990 um 20 Prozent und bis 2030 um 55 Prozent senken.

Das verbleibende Treibhausgasbudget, um die Erderhitzung auf 1,5 Grad zu begrenzen, könnte bereits in den 2030er Jahren aufgebraucht sein.

Österreichs CO2-Ausstoß im Vorjahr stark gestiegen – steiermark.ORF.at

Kurz gemeldet

Auch die Tiefen des Nordostatlantiks sind mit Mikroplastik verschmutzt. 2.000 Meter unter dem Meeresspiegel zwischen den Azoren und Madeira fanden Forscher:innen vor allem Polyethylen PET und PVC.

Mehr als 120 Wissenschafter:innen erstellen in den kommenden drei Jahren einen Klimabericht für Österreich. Das Papier soll sich an den Sachstandsberichten des Weltklimarates orientieren, aber Empfehlungen auf regionaler Ebene liefern, um den Weg zur Klimaneutralität wissenschaftlich zu untermauern.

Servicetipps

Klimafreundliche Ausflüge

Wer zur nächsten Wanderung öffentlich anreisen möchte, findet Routenvorschläge auf der Plattform Zuugle. Auch bei den Naturfreunden und beim Alpenverein bekommt man Tipps für klimafreundliche Ausflüge.

Reparaturbonus

Nur zur Erinnerung: Wer repariert, vermeidet Müll und Emissionen. Um Geräten ein längeres „Leben“ zu geben, fördert das Klimaschutzministerium Reparaturen über den Reparaturbonus. Er ersetzt 50% der Kosten bis zu einer Höhe von 200 Euro. Die Konsument:innen zahlen damit nur mehr die Hälfte der Rechnung an die Reparaturbetriebe.

Post sucht Ideen für nachhaltige Mehrwegverpackungen

Kartons, die nach einmaliger Verwendung im Abfall landen, sind Ressourcenverschwendung. Im Sinne einer nachhaltigen Kreislaufwirtschaft sucht die Post jetzt nach Ideen für Mehrwegverpackungen. Unter Re:Postboxing können Interessierte ihre Vorschläge zur Reduktion von Einwegverpackungen einreichen.

Erneuerbare ausbauen, Vorbehalte abbauen – aber wie?

Hörtipp

Dass die fossile Ära, durchaus mit Schrecken, zu Ende geht, scheint vielen klar zu sein. Wir brauchen erneuerbare Energien. Aber wenn es darum geht, ein Windrad in die Landschaft zu stellen, dann werden auch SUV-Fahrer:innen plötzlich zu heftigen Naturschützern, obwohl ein Kilometer Autobahn einen weitaus größeren Hässlichkeitsfaktor hat. Wie die Bevölkerung für ein neues Energiezeitalter gewonnen werden kann, dazu fand in Wien kürzlich ein Expert:innengespräch statt. Das JOURNAL PANORAMA hat die verschiedenen Ideen hörenswert zusammengefasst.

https://oe1.orf.at/player/20220704/684921