Gefährliches Agrar-Lobbying

Wir essen in der Familie zwar hin und wieder Fleisch, aber in Summe doch sehr dosiert. Und ich weiß von jedem Stück, das im Gefrierschrank schlummert, wo es herkommt, egal ob Rind, Huhn oder Schwein. In manchen Zeiten erfuhr ich sogar, ohne es zu wollen, den Namen des Tieres. Das ist natürlich ein absoluter Luxus, sich aus bekannten Quellen ernähren und den kleinen Erzeugerinnen und Erzeugern vertrauen zu können. Auf ihren Biohöfen versuchen sie nachhaltig mit ihren Flächen und der Natur insgesamt umzugehen.

Am anderen Ende steht eine Landwirtschaft, deren oberstes Ziel Menge ist – ohne Rücksicht auf etwaige Kollateralschäden in der Umwelt. Diese Art Bewirtschaftung kennt Österreich eigentlich gar nicht. Im internationalen Vergleich ist hierzulande selbst die „große“ Landwirtschaft noch recht kleinräumig. In Ungarn, Polen, Frankreich oder Deutschland geht es in der Agrarproduktion um ganz andere Größenordnungen.

Und die mächtigste Vertretung und Lobbyorganisation der europäischen Landwirtschaft, Copa-Cogeca, vertritt fast ausschließlich diese Form der industriellen Bewirtschaftung. Das zeigt eine große Recherche der in Brüssel erscheinenden Wochenzeitung Politico.

Copa-Cogeca formuliert selbst so manchen Antrag von Parlamentariern, um seine Interessen umzusetzen und ist in Fragen der europäischen Agrarpolitik der erste Ansprechpartner von GD AGRI, der in der EU für Landwirtschaft und ländliche Entwicklung zuständigen Generaldirektion. Copa-Cogeca vertrete vor allem eine Art Landwirtschaft, und zwar die der ganz großen Betriebe, wird der österreichische grüne EU-Abgeordnete Thomas Waitz von Politico zitiert.  

Die britische Denkfabrik Influence Map hat Copa-Cogeca als eine der am meisten engagierten und “feindlichen” Organisationen identifiziert, wenn es darum geht, gegen Biodiversitätspolitiken zu lobbyieren.

Auch gegen Maßnahmen des Green Deal lobbyiert Copa-Cogeca mit seinen ausgezeichneten Verbindungen in die europäischen Entscheidungszentralen sehr erfolgreich. Der Green Deal sieht vor, die EU bis 2050 klimaneutral zu machen. Und die Landwirtschaft wird derzeit für rund 11 Prozent aller Treibhausgas-Emissionen in der EU verantwortlich gemacht. „Copa und die EU-Institutionen arbeiteten Hand in Hand”, formulierte es der ehemalige Generalsekretär von Copa-Cogeca in seinem Buch “Europäisches Lobbying”.

Einige nationale Landwirtschafts-Interessensverbände haben Copa-Cogeca bereits den Rücken gekehrt, weil sie sich nicht vertreten fühlen, etwa die tschechische Vereinigung der Kleinbauern. Und dass sich Kleinbauernverbände wie La Via Campesina von Copa-Cogeca distanzieren, überrascht auch nicht.

Die Lobbyorganisation gibt vor, 22 Millionen Menschen in der EU zu vertreten, die allesamt in der Landwirtschaft und der angeschlossenen Verarbeitung tätig sind. Aber das kann nicht einmal der Generalsekretär von Copa-Cogeca belegen.

Das Problem ist nicht, dass Großagrarier ihre Interessen vertreten. Das Problem ist, dass angesichts ihrer institutionellen Übermacht andere, wichtige und zukunftsträchtige Stimmen untergehen.

Mehr Extremregen in der Höhe

Erderwärmung

Durch die zunehmende Erderwärmung steigt laut einer Studie von US-Forschern das Risiko für extreme Regenfälle in höher gelegenen Regionen. Mit jedem Grad Celsius, um das sich der Planet erwärmt, fällt in Lagen über 2.000 Metern bis zu 15 Prozent mehr Regen. Das geht aus einem Artikel in der Zeitschrift „Nature“ hervor. Diese Steigerung ist doppelt so hoch wie jene, die für das Flachland erwartet wird. (APA)

Mehr Starkregen als Schnee in Höhenlagen – science.ORF.at

Klima- und Energieziele gefährdet

Europäischer Rechnungshof

Mehr Anstrengungen gegen die Klimakrise und für die Energiewende fordert der Europäische Rechnungshof. Bis 2030 will die EU ihre Treibhausgasemissionen mit dem Programm „Fit für 55“ um 55 Prozent gegenüber 1990 senken.

“Insgesamt hat der Hof bisher wenige Hinweise darauf gefunden, dass zur Verwirklichung der ambitionierten EU-Ziele für 2030 ausreichende Maßnahmen getroffen werden”, schreiben die Prüfer in ihrem Bericht.

Europäischer RH sieht Klima- und Energieziele in Gefahr – news.ORF.at

Besserer Schutz der Hochsee

UN-Abkommen

Das diese Woche beschlossene internationale Hochseeschutzabkommen sieht erstmals Schutzgebiete außerhalb der ausschließlichen Wirtschaftszonen einzelner Länder vor. Das betrifft 60 Prozent der Meeresgebiete. Bisher galten nur für etwa ein Prozent dieser Meeresgebiete unterschiedliche Schutzregeln.

Wichtiges UNO-Hochseeschutzabkommen beschlossen – news.ORF.at

Kurz gemeldet

Die von Saudi-Arabien geplante Modellstadt „The Line“ ist alles andere als ein ökologisches Vorzeigeprojekt, sind Wiener Komplexitätsforscher überzeugt. „The Line“ ist für neun Millionen Einwohner entworfen worden und soll sich in gerader Linie über rund 170 Kilometer erstrecken.

Saudische „Öko-Stadt“ wenig effizient

TIPPS

ERKLÄRVIDEO WASSERSTOFF

Wasserstoff hat viele Farben: Man spricht über grünen, grauen, blauen oder rosa Wasserstoff. Chemisch sind die verschiedenen Varianten gleich. Was sie unterscheidet, ist allerdings die Herstellung – und genau dort entscheidet sich, ob Wasserstoff umweltfreundlich oder erst wieder eine CO2-Schleuder ist.

So wird grauer Wasserstoff zum Beispiel aus Erdgas hergestellt. Und läuft damit dem Gedanken eines klimaneutralen Brennstoffes völlig entgegen. Ein kurzes Video und ein Dossier der Heinrich-Böll-Stiftung erklären die verschiedenen Produktionsweisen und den Handel mit Wasserstoff.

Hörtipps

Waldgärten

Der Klimawandel verändert auch unsere Gärten. Vielen Pflanzen wird es zu heiß. Eine mögliche Lösung: ein Waldgarten. Er simuliert das Ökosystem einer Lichtung oder eines Waldrandes. Bäume und Sträucher schützen kleinere Pflanzen vor Sonne und Hitze. WISSEN AKTUELL hat aufgezeichnet, welche Vorteile Waldgärten bieten.

https://science.orf.at/stories/3219020/

Energiewende in Deutschland

Deutschland möchte schon 2045 klimaneutral sein, fünf Jahre vor dem Zieldatum der EU. Obwohl das Land über weniger Wasserkraft als Österreich verfügt, kommt bereits jetzt rund die Hälfte des Stroms aus erneuerbaren Quellen. Gleichzeitig hat der Ukraine-Krieg dazu geführt, dass Braunkohlekraftwerke einen neuen Schub erlebt haben und neue Flüssiggas-Terminals entstanden. Das JOURNAL PANORAMA dokumentiert, wie Deutschland seine Energieversorgung umstellt.

https://oe1.orf.at/player/20230626/723213

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.