Wirbellose und ein neues Naturverständnis

Es war nur ein kurzer Satz, den ich vom Küchentisch hörte. Dort hat die Frau meines Herzens meist ihren Heimarbeitsplatz. „Wir brauchen eine neue Beziehung zu unserer Umwelt“, sagte eine Dame in einem UNIVERSUM-Trailer sinngemäß auf Englisch. Es war Jane Goodall, die prominente Verhaltensforscherin, die sich vor allem um Primaten in Ostafrika sehr verdient gemacht hat.

Nun bin ich bei allem sehr vorsichtig bis allergisch, was auch nur irgendwie esoterisch und naturverklärend klingt. Aber Goodall hat einfach Recht. Unsere Umwelt verträgt ohnehin eine Menge an menschlichen Tollereien, an Nutzung ihrer materiellen wie immateriellen Ressourcen. Schön langsam scheinen wir damit allerdings an Grenzen zu kommen. Das verdeutlichen nicht nur die alarmierenden Berichte über das Überschreiten planetarer Grenzen, etwa bei der Grundwasserausbeutung. Das zeigen uns auch Berichte darüber, wie unser Lebensumfeld fragiler wird – sei es, weil Starkregen Teile unserer Infrastruktur wegschwemmt oder das auftauende Eis in der alpinen Höhe Berge zerbröseln und in großen Brocken auf uns niederpasseln lässt.

Wenn wir uns bei der Analyse unserer Lebensumwelt nur auf ein paar ikonische Organismen konzentrieren, auf Bienen, Nashörner oder den umwelt-PR-technisch viel strapazierten Buckelwal, dann verlieren wir den Blick für die Bedrohung des Ganzen.

Erst diese Woche las ich vom Wert der Regenwürmer: Ohne sie wäre die gesamte Getreideproduktion um 6,5 Prozent niedriger, das sind rund 130 Millionen Tonnen Weizen, Mais, Gerste und Reis pro Jahr.

In einer Gesellschaft, die sich darauf verständigt hat, Werte zu einem Großteil als „Geldwerte“ zu verstehen, mag so eine Quantifizierung durchaus Sinn machen. Nüchtern betrachtet setzen derlei Umrechnungen unserer Umwelt in Geld aber natürlich den Nutzungs- bzw. Ausbeutungsgedanken fort.

Damit sie mich nicht missverstehen: Ich freue mich in meinem kleinen Wienerwald-Garten auch über jeden Regenwurm im Hochbeet, den die gefräßigen Amseln nicht weg snacken. Aber es ist eine Frage des Blickwinkels auf die Natur. Will ich mit ihr – ohne Blümchenromantik – gut leben? Oder will ich sie gnadenlos ausnehmen, bis sie nicht mehr kann?

Wenn wir diese Fragen im Sinne eines nachhaltigen Umgangs mit unserer Umwelt beantworten, ändert sich nicht nur die Art, wie wir uns als Menschen in diesem Gefüge sehen, dann ändern sich auch die Entscheidungen, die wir treffen.

Wie der Rückgang der Wirbellosen der Natur schadet

Reduzierte Ökosystemdienstleistungen

Die wirbellosen Tiere machen rund 75 Prozent aller bekannten Arten aus. Zu ihnen zählen Würmer ebenso wie Insekten oder Schnecken. Und sie bilden das Fundament von Ökosystemen. Durch ihren Rückgang in den vergangenen Jahren haben eine Reihe von Ökosystemdienstleistungen gelitten. Das betrifft sowohl die natürliche Schädlingsbekämpfung als auch die Zersetzung organischer Stoffe. So erhöht sich beispielsweise der Blattlausbefall, wenn die Populationen der Wirbellosen zurückgehen, wie eine neue Studie in Current Biology zeigt.

Schuld am Rückgang sind vor allem die zunehmende Urbanisierung, aber auch der verstärkte Einsatz von Chemikalien etwa in der industriellen Landwirtschaft.

(Danke für den Studien-Hinweis an Arno Aschauer)

https://www.idiv.de/de/news/news_single_view/5188.html

Bioinvasoren

Gebietsfremde Arten oft von eigenem Kontinent

Bei eingewanderten Arten denken viele an Pflanzen wie den Staudenknöterich oder Tiere wie das Grauhörnchen, die aus Amerika kommend dem heimischen roten Eichhörnchen Konkurrenz macht. Tatsächlich stammen viele „neue“ Arten aber vom eigenen Kontinent. Besonders deutlich wird das bei den Pflanzen, die sich durch die Klimaerwärmung immer mehr Richtung Norden ausbreiten. Das belegt eine Studie unter Beteiligung der Universität Wien. Demnach kommt mehr als die Hälfte (57%) der gebietsfremden Pflanzenarten in Europa und Nordamerika ursprünglich vom eigenen Kontinent.

Problematisch sind diese Bioinvasoren deshalb, weil sie etablierte Ökosysteme aus dem Gleichgewicht bringen können. Aus dem ökologischen Schaden durch den Verlust der heimischen Artenvielfalt resultiert ein immenser wirtschaftlicher Schaden. Der Weltbiodiversitätsrat schätzt ihn in seinem aktuellen Bericht auf 370 Milliarden Euro jährlich.

Der neue EU-Klimakommissar will Kerosin besteuern

Verkehrswende

Gestern wurde der neue Klimakommissar, Wopke Hoekstra, auch vom europäischen Parlament bestätigt. In seiner Anhörung sprach er sich für eine Besteuerung von Kerosin aus, das bisher im Gegensatz zu Benzin und Diesel von Abgaben befreit ist. Zusätzlich wolle er sich dafür einsetzen, Subventionen für fossile Treibstoffe zu beenden.

Hoekstra steht aber auch unter scharfer Beobachtung, weil er früher für den Ölkonzern Shell und die Unternehmensberatung McKinsey gearbeitet hat.

https://orf.at//stories/3333298/

Veränderung der Niederschläge stresst Bäume

Dürre und wenig Obst

Der warme Herbst ist nicht allein an wenig Obst oder dürren Bäumen schuld. Auch der kühle Frühling hat die Pflanzenwelt durcheinandergebracht. Da es im Sommer allerdings viel geregnet hat, dürften die Bäume den Herbst gut überstehen, sagt der Leiter des Instituts für Waldbau an der Boku, Hubert Hasenauer. Sorge macht ihm allerdings eine Veränderung der Niederschlagsmuster: Die Regenfälle verschieben sich Richtung Herbst, die Bäume brauchen jedoch vor allem im Frühjahr und Sommer Feuchtigkeit. Verlagert sich der Regen nach hinten, leidet das Wachstum.

https://science.orf.at/stories/3221542/

Viel Leben trotz totem Holz

Hörtipp 1

Die Klimaerwärmung hat auch die Wälder erfasst. Die Fichte verliert ihren Status als „Brotbaum“ der Holzbauern. Es gibt aber auch Forstwirte, die in der Waldbewirtschaftung völlig umdenken und auf Vielfalt setzen, um den Wald fit zu machen für die

Veränderungen durch den Klimawandel. Andere nutzen den Wald als heilsame Erfahrung oder bringen Kindern dort die Vorgänge in der Natur näher.

MOMENT – NACHHALTIG LEBEN hat zwei Menschen begleitet, die Wald besitzen und sorgsam bewirtschaften.

https://oe1.orf.at/nachhaltigleben

Englands Wasserprobleme

Hörtipp 2

Im Sommer 2022 wurden 8 von 14 Regionen in Großbritannien zu Trockenregionen erklärt. Gleichzeitig können englische Weinbauern nun Reben kultivieren, die man früher eher in der Champagne angesiedelt hätte. Die mit dem Klimawandel einhergehenden Extreme machen aber den Weinbau trotzdem zu einer schwierigen Aufgabe.

Zudem hat Großbritannien seit der Privatisierung der Wasserversorgung mit großen Versorgungsproblemen zu kämpfen. Etwa ein Fünftel des Wassers geht verloren, weil das Wasserleitungsnetz nicht ausreichend erneuert wurde.

Das JOURNAL PANORAMA zeichnet nach, wie schlecht die Insel mit Wasser umgeht.

https://oe1.orf.at/nachhaltigleben

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